Waschmittel-Enzyme: Gefährlich aber wirkungsvoll?

Zwei verschiedene Waschmittel im Vordergrund, nachdenkliche Frau im Hintergrund

Sie helfen die Wäsche sauber zu machen und sind dennoch umstritten: Waschmittel-Enzyme. Warum das Thema Allergien und der Einsatz von Gentechnik immer wieder für Diskussionsstoff sorgen. 

Enzyme und ihre Funktion im Waschmittel

Enzyme sind lebensnotwendig für den menschlichen Körper und zerlegen Eiweiße, Fette & Co. in kleine Bausteine, welche dann in dieser Form vom Stoffwechsel verarbeitet werden können. So zerlegen beispielsweise die Lipasen Fette, die Proteasen Eiweiße und die Amylasen wiederum spalten Stärke. Genau diese Bestandteile sind es auch, die sich in zahlreichen hartnäckigen Flecken befinden. Diesen Effekt machen sich viele Waschmittel-Hersteller seit Jahrzehnten zunutze, indem sie von Mikroorganismen (meist Bakterien) produzierte Enzyme einsetzen. Gezüchtet werden die Organismen dazu eigens in speziellen Behältern (Fermentern), innerhalb derer sich Mikroorganismen optimal kultivieren lassen. Das gewünschte Enzym wird schließlich vom Stoffwechsel des Mikroorganismus abgetrennt, gereinigt und konzentriert.

Die sogenannte „weiße Gentechnik“ hat die Enzymherstellung in der Vergangenheit insofern erobert, indem extrem leistungsstarke Bakterienstämme gentechnisch derart verändert wurden, dass die gewünschten Enzyme nicht nur in größeren Mengen, sondern auch in hoher Reinheit gewonnen werden konnten.

Gentechnik & Enzyme: die Fakten

Beinahe alle Enzyme in Waschmitteln werden mittlerweile von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) produziert. Diese Mikroorganismen verbleiben innerhalb geschlossener Systeme und gelangen daher auch nicht lebend in die Umwelt. Deshalb sorgten die so gewonnenen Enzyme erst einmal nicht groß für Gesprächsstoff.

Wichtig: Bei den GVO-Enzymen muss zudem zwischen zwei Formen unterschieden werden. Neben den natur-identischen Enzymen, die baugleich so auch in der Natur zu finden sind, gibt es die Enzyme, deren Eigenschaften und Zusammensetzung durch die Gentechnik stark verändert wurden. Letztere kommen nicht nur effektiver mit der alkalischen Waschlauge zurecht, sondern lassen sich auch besser auf spezielle Temperaturbereiche einstellen. Die Folge: Ein großer Teil der innerhalb konventioneller Waschmittel zum Einsatz kommenden Enzyme ist derart stark gentechnisch verändert.

Video: Waschmittel – Chemie hoch 100

Enzyme im Waschmittel: Pro und Contra

  • Positive ÖkobilanzWaschmittel-Enzyme haben ohne Zweifel nicht nur das Waschen der Wäsche umweltverträglicher werden lassen, sie helfen auch beim Sparen. Dadurch, dass sie ihre Wirkung beim Wäschewaschen schon bei niedrigen Temperaturen ab 20°C entfalten, muss bei der Entfernung von hartnäckigen Flecken wie Blut oder Frittierfett auch seltener zu bedenklichen Chemikalien gegriffen werden. Zudem lassen sich GVO-Enzyme günstig und umweltschonend zugleich produzieren, da die Herstellung nicht nur weniger Rohstoffe und Energie verbraucht, sondern auch eine geringere Menge an Abwasser und Abgasen zur Folge hat.
  • Erhöhtes Allergierisiko: Wie alle Eiweißverbindungen beherbergen auch die Waschmittel-Enzyme ein allergisches Potenzial. Aus diesem Grund wurde lange Zeit kontrovers darüber diskutiert, ob auch dann allergische Reaktionen auftreten können, wenn entweder mit enzymhaltigen Handwaschmitteln gearbeitet oder aber auch Kleidung getragen wird, an der sich noch aktive Enzyme aus der Waschmaschine befinden. Diverse Studien der Waschmittelhersteller kamen zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Allergie allein schon deshalb sehr gering ist, da die sich im Waschmittel befindenden Enzyme weniger als ein Prozent des Produkts ausmachen. 
Reiseratgeber
Tipp: Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der greift bei der Wahl des Waschmittels zu speziellen Öko-Waschmitteln, bei deren Herstellung auf Enzyme verzichtet wurde.

Waschmittel-Enzyme: wirksam aber umstritten

Für die makellos saubere Wäsche setzen viele Waschmittelhersteller auf den umstrittenen Einsatz von Gentechnik und verbinden die Vorteile der Enzyme im Waschmittel mit der positiveren Ökobilanz. Dennoch stehen die GVO-Enzyme im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein und bleiben vor allen Dingen eins: maßgeschneiderte Schmutzlöser.

Titelbild: © istock.com – Tinatin1


The Author

Laura Seifert

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